Die Situation
Es ist Dienstagabend, 22. Nov. 2011; 21:30 Uhr. Morgen sollte die neue Homepage ins Netz gehen. Im Büro ist niemand mehr, außer MMag. Günter Hämmerle (in weiterer Folge auf eigenen Wunsch Günter genannt) und mir.
Schon das Besprechungszimmer ist hier anders als in anderen Unternehmen. Dort wo sonst mehr oder weniger harte Bürostühle stehen, stehen hier gemütliche Fauteulis von denen jeder anders aussieht. Das „Büro“ ist eigentlich ein Loft. Ein ausgebautes Dachgeschoß inkl. Bar und Südbalkon in einem alten Fabriksgebäude; riesig und sehr stylisch. Ganz offensichtlich muss Arbeit hier einfach auch Spaß machen.
Wie kommt man auf die Idee Fertig-Cocktails oder in unserem Fall Ready-to-Mix Cocktails herzustellen?
Es war Ende Juli 2003, der Jahrhundertsommer in dem es von April bis Oktober kaum geregnet hat. Ich saß auf meinem Balkon und hatte plötzlich Lust auf einen Cocktail. Ich musste nicht einmal aufstehen und nachsehen, ob ich alle Zutaten dafür zu Hause hatte. Bar-Equipment, Spirituosen und diverse Sirupe bzw. Liköre vielleicht schon, aber die notwendigen Fruchtsäfte ganz sicher wieder einmal nicht. Da stellte sich die entscheidende Fragen: „Warum muss es bloß so schrecklich kompliziert und aufwändig sein, Cocktails zu Hause zu mixen?“
Wie lange hat es dann von der Idee bis zum fertigen Produkt gedauert?
Es hat einige Wochen gedauert bis ich und mein Bruder herausgefunden hatten, weshalb es Cocktails nicht im Supermarkt um die Ecke zu kaufen gab. Der Grund dafür ist (bzw. war) simple: Cocktails sind per Definition Mischungen aus verschiedenen Flüssigkeiten, von denen sich einige - einmal ausgemischt – kaum länger als eine halbe Stunde „vertragen“. Das Hauptproblem stellt die Verbindung zwischen Alkohol und pektinhaltigen (!), d. h. trüben, Fruchtsäften dar. Der Alkohol beginnt sofort, die Pektinstruktur der Säfte zu zersetzen. Nachdem die meisten Tropicanas aber u. a. aus Orangen- und/oder Ananassaft bestehen und diese Säfte typischerweise nicht entpektiniert werden, weil sonst die für ihren Geschmack so wichtige Mundfülle verloren geht, mussten wir eine Lösung für das Problem finden.
Die grundsätzliche Idee, das Problem durch eine Mehr-Kammer-Verpackung zu lösen, war schnell gefunden. Wie das verpackungstechnisch und wirtschaftlich vertretbar im Detail geschehen sollte, war die größere Herausforderung. Von der ursprünglichen „Schnapsidee“ bis zu den ersten verkauften Cocktails (Mitte Juli 2006) hat das schlussendlich fast genau 3 Jahre gedauert.
Die Grundidee war also, das Cocktailmixen zu Hause zu erleichtern?
Genau. Cocktails sollten auch daheim einfach zu machen sein. Spätestens seit unserer Maturareise liebte ich Cocktails. Als Student konnte ich sie mir aber in Bars kaum leisten und als ich dann mein eigenes Einkommen hatte, überkam mich der Ehrgeiz, eine eigene Hausbar aufzubauen. Für diverse Spirituosen, Liköre und Sirupe, um nur ein paar verschiede Cocktailklassiker mixen zu können, habe ich damals ein kleines Vermögen ausgegeben. Und dann ging es mir so wie vielen anderen. Ich habe an einigen Abenden für Freunde den Barkeeper gemacht und habe es dann wieder sein lassen. Während ich – immer mit dem Rezeptbuch vor mir - einen Cocktail nach dem anderen gemixt habe, haben sich die anderen köstlich amüsiert. Ich halte viel von Gastfreundschaft, aber alles hat seine Grenzen. Außerdem war das Ganze unter dem Strich gar nicht so billig und letztlich zu kompliziert. Alleine die Beschaffung der Fruchtsäfte jedes Mal. So etwas kann man in einer Bar machen, aber das ist nicht die Lösung für daheim. Außer man hat sonst keine Hobbys, die habe ich aber.
Und wie ist man auf die Twin-Can gekommen?
Die Idee mit der Twin-Can-Lösung kam dann eher zufällig. Wir hatten bereits zwei Lösungen im Kunststoffbereich angedacht. Allerdings stellte sich dann heraus, dass diese aus technischen bzw. wirtschaftlichen Gründen nicht umsetzbar waren. Wir hatten schon sehr viel Zeit, Geld und Energie in Konzepte, Recherchen und Tests investiert, als wir Dr. Bernd Ullmann kennenlernten. Er war damals Neuproduktmanager bei Ball-Packaging und hatte in dieser Funktion einige Monate vorher die Idee, 2 Dosen mit einem Kunststoffring zu verbinden. Allerdings fehlte damals noch eine sinnvolle Anwendung für die sogenannte Twin-Can.
Die Alu-Dose ist demnach das ideale Gefäß oder gab es noch Alternativen?
Die Alu-Dose ist definitiv und in mehrerer Hinsicht eine hervorragende Verpackung. Sie ist leicht, unzerbrechlich, lichtdicht (besonders für Fruchtsäfte sehr wichtig), diffusionsdicht (d. h. es gibt keinen Austausch von Gasen zwischen Doseninhalt und Umwelt) und hygienisch über jeden Zweifel erhaben. Außerdem ist ihre Umweltbilanz weitaus besser, als dies von diversen Gruppen immer wieder als vermeintliche Tatsache hingestellt wird. Alu-Dosen sind theoretisch zu 100% recyclebar und werden in der Praxis immerhin zu 70% recycelt. Dabei werden nur 5 % der Energie verbraucht, die bei der ursprünglichen, d. h. ersten Gewinnung aus Bauxit anfallen. Die Umwelt belastende Leertransporte und Spülprozesse wie bei Mehrweggebinden entfallen.
Weshalb sind dann die Pre-Dinner Cocktails nur in einer Dose, demnach also ein klassischer Pre-Mix?
Die Twin-Can ist ja kein Gag. Dafür wäre sie uns ja allein schon in der Herstellung viel zu teuer. Diese - oder u. U. auch eine andere Zwei-Kammer-Lösung - ist schlicht und ergreifend lebensmitteltechnisch notwendig, wenn man Tropicanas auf einem Niveau anbieten will, wie wir uns das vorstellen.
Überall dort allerdings, wo entpektinierte Säfte zum Einsatz kommen, wie z. B. bei unseren neuen Cocktails „Cosmopolitan“ und „Appletini“, trifft dies nicht zu. Auch in jeder Bar werden übrigens für diese Klassiker Vorprodukte aus entpektinierten Säften verwendet. Die Pre-Dinner-Cocktails werden hauptsächlich vom Grundgeschmack der verwendeten Zutaten plus der Stärke des Alkohols geprägt. Die Mundfülle spielt dabei, anders als bei den Tropicanas, keine Rolle.
Was hast du eigentlich vor Conelly gemacht?
Ich habe in Innsbruck und in Wien Betriebswirtschaft studiert, geheiratet und ein Kind gezeugt, ein Haus gebaut und sogar mehrere Bäume gepflanzt. Total spießig, wie es sich eben gehört. Daneben war ich über 10 Jahre lang Lehrer für wirtschaftliche Fächer, wie BWL, Rechnungswesen und Marketing, an der Handelsakademie in Lustenau.
Wieviel Durst muss man dann haben, um sich in dieses Abenteuer zu stürzen?
Grundsätzlich hilft es in diesem Job natürlich, wenn man dem Alkoholkonsum nicht feindlich gegenüber steht. Was das betrifft, kann ich mich nicht beklagen. Ich habe eine meiner Leidenschaften zum Beruf gemacht. Im Gegenzug musste ich etwas aufgeben, was ich sehr gerne – und wie ich meine – auch sehr gut gemacht habe.
Was ist das Besondere an Conelly Cocktails?
Unser Anspruch ist es, bestehenden Cocktailrezepturen aufzugreifen, dafür passende Verpackungskonzepte zu entwickeln, hochwertige Zutaten zu beschaffen und diese geschmacklich so aufeinander abzustimmen, dass dabei Cocktails entstehen, wie man sie sonst nur in wirklich guten Cocktailbars bekommt.
Logisch, dass wir damit auch Geld verdienen müssen, aber die Extraportion Leidenschaft, die bei uns dazukommt, hat mit Geld nichts zu tun. Das ist immer noch der ursprüngliche Traum, dass Leute, die Cocktails lieben, diese einfach im Supermarkt kaufen und zu Hause mixen können.
Und wohin soll die Reise führen?
Unser großes Vorbild ist Nespresso. Die haben es geschafft, Convenience mit Qualität so zu verbinden, dass ein „Mehr“ an Bequemlichkeit nicht zwangsläufig mit Abstrichen in der Qualität verbunden sein muss.
Das ist auch der Maßstab, den wir an uns selber anlegen. Dass wir schon am Ziel dieser Reise angekommen sind, will ich schon aus Prinzip nicht glauben. Wir können und müssen jeden Tag noch ein bisschen besser werden. Deshalb sind wir nach wie vor dabei, Rezepturen nach Möglichkeit zu optimieren, falls es bei der einen oder anderen Sorte noch Spielraum nach oben geben sollte.
Wieso werden so populäre Cocktails wie Mojito oder Caipirinha nicht angeboten?
Weil es aus meiner Sicht keinen Sinn macht. Convenience-Produkte haben dann ihre Berechtigung, wenn sie ein Mindestmaß an (Arbeits-)Erleichterung schaffen. Das ist beim Mojito nicht der Fall. Der besteht aus Rum, Limettensaft, Rohrzucker und Pfefferminze. Das kann noch jeder selber machen. Außerdem leben der Mojito und der Caipirinha von der Frische der Limetten bzw. der Pfefferminzblätter. So etwas wie einen „Fertig-Mojito“ wird es bei uns also niemals geben. Jedenfalls nicht so lange, wie ich hier etwas zu sagen habe.
Wenn wir gerade davon sprechen was es nicht gibt, was ist mit alkoholfreien Cocktails?
Die Antwort ergibt sich schon aus der Definition. Ein Cocktail besteht immer aus zumindest einer Spirituose plus diversen Likören, Fruchtsäften und Sirupen. Der Begriff „alkoholfreier Cocktail“ ist deshalb ein Widerspruch in sich selber. Ich möchte nicht ausschließen, dass wir vielleicht irgendwann einmal eine Kinderlinie herausbringen werden, aber momentan ist das sicher kein Thema.
Und welche Cocktails trinkst du gerne? Gibt es einen Favoriten?
Meine persönlichen Favoriten unter den Tropicanas sind der Ladykiller, der Bahama Mama und der Planters Punch. Wobei mir schon bewusst ist, dass der Planters Punch ein Minderheitenprogramm darstellt. Vielen ist er zu rumlastig. Ich schätze aber gerade das an ihm. Bei den Pre-Dinner-Cocktails bin ich indifferent. Ich liebe sie beide!
Dieses Urteil muss ich im Falle des Cosmopolitans wohl kaum rechtfertigen oder näher erklären. Bei dem bin ich mir nach zahlreichen „Testkäufen“ mittlerweile ziemlich sicher, dass man den auch in Bars niemals besser, meistens aber viel schlechter bekommt als bei uns.
Etwas komplizierter liegt der Fall beim Appletini. Ich finde ihn hervorragend. Ich habe mich allerdings auch noch nie mit „Saurem-Apfel-Likör“ übertrunken, wie so viele andere. Außerdem habe ich absolut kein Problem mit seinem relativ hohen Alkoholgehalt. Der muss so kräftig sein.
Und abseits von Conelly Cocktails?
Außer alkoholfreien Getränken wie Wasser und Kaffee?
Daiquiri und Margarita haben, richtig gemacht, Klasse. Die sollten wir irgendwann auf jeden Fall machen. Es ist aber nicht so, dass ich nur Cocktails trinke. Ich trinke auch Bier und Wein. Beim Wein sollte es allerdings schon etwas besseres sein. Ich rede nicht von 250-Euro-Flaschen, so etwas kann und will ich mir nicht leisten. Finde ich irgendwie dekadent. Aber der 30-Schilling-Doppler wie zu Studentenzeiten muss es auch nicht mehr sein. Was ich auch sehr gerne trinke, ist Gin Tonic. Mittlerweile habe ich aber auch da meine Ansprüche anheben müssen. Das Tonic ist wichtig, aber der Gin macht den großen Unterschied. Und auch wenn meine Freunde aus unserem Nachbarbüro auf Hendrick’s schwören, unser Favorit ist und bleibt der Tanqueray.


conelly-cocktails.com
